Surrealer Bildkosmos von Gert & Uwe Tobias

Gert und Uwe Tobias: Ohne Titel, Courtesy Contemporary Fine Arts Berlin, VG Bild-Kunst Bonn 2012, (links) 2010 Farbiger Holzschnitt auf Papier, (rechts) 2011 Mischtechnik auf Papier

Am Sonntag habe ich es endlich in den Hamburger Kunstverein geschafft und mir in aller Ruhe die Arbeiten von den Zwillingsbrüdern Gert & Uwe Tobias angeschaut. Angezogen hat mich zunächst die Farbintensität der Bilder, dann die kuriosen Traumwesen aus Vögeln, Insekten, Stühlen und Keramik-Krügen – teils umrahmt von Blütenmustern, die an Jugendstil und Retro-Design erinnern. Im Nachhinein hätte ich unbedingt meine Kamera mitnehmen sollen, denn meine Lieblingsmotive fehlen in der Datenbank des Kunstvereins. Der Stil von Gert und Uwe wird trotzdem klar: surreal, farbintensiv, collage-lastig. Die Art trifft also genau meinen Geschmack, aber was wird auf den Bildern dargestellt?

Die Motive wiederholen sich stark; fast überall tauchen herabhängende oder auf dem Boden liegende Körper auf. Sie erinnern an einen Käfer, der auf dem Rücken liegt und weiß, dass er sich nicht mehr aufrichten kann. Manchmal ist da auch eine Hand, die entweder schon völlig leblos darliegt oder noch nach Rettung greift. Ein zentrales Thema ist auch das Kopf-ap-Prinzip, so rollen oder fliegen eine Unmenge an Tier- und skulpturalen Menschen-Köpfen herum. Im Bild rechts fallen zum Beispiel die Sterne zusammen mit einem Königskopf auf die Erde. Obwohl der Tod immer mitschwingt, bedrücken die Bilder nicht. Und sie wecken nie den Ekel. Das muss neben den kräftigen Farben an der Absurdität der Motive liegen: Da wird eine Stuhllehne zum Vogelkopf, eine Robbe zum Krokodil, ein Arm zum Glockenpendel.

Fazit: Um zwischendurch mal rauszukommen, sind Gert & Uwe Tobias eine fantasievolle Alternative zum Spazierengehen oder Kaffeetrinken. Während man über die Bedeutung ihrer Werke grübelt, kann man sehr gut abschalten und danach entspannt nach Hause gehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. November 2012 im Hamburger Kunstverein. Ab April wird aber ein Teil der Installation verschwinden und Platz machen für weitere Künstler.


DIY Verpackung: CD-Hüllen aus Karton

Fotos: Theresa Senk

Manchmal stehen der Bastelei wichtige oder nichtige Gründe im Weg, dann brauche ich einen Anlass. Auf Anlässe ist Verlass. Perfekt für mich ist folgender Fall: Neue Mix-CDs wollen möglichst schnell bekleidet werden, Exemplare von nauli habe ich leider nicht mehr zur Hand und auch meinem Drucker ist der Saft ausgegangen. Damit die runden Scheiben trotzdem nicht lange nackt herumfliegen, greife ich bei nächster Gelegenheit zu Riesengeodreieck, Bleistift, Cutter und Karton – mehr braucht man nicht für eigene Hüllen. Plus den Anlass.

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Hibernation/Winterschlaf mit Youth Lagoon

(c) Lefse Records

Manchmal ist es so kalt da draußen, dass man sich am liebsten unter der Bettdecke verkriechen und wie ein Murmeltier Winterschlaf halten möchte. Die mit Abstand beste Musik dafür stammt derzeit von Trevor Powers alias Youth Lagoon. Sein Debüt-Album “The Year of Hibernation” brauchte ziemlich lange, um bei mir anzukommen (ich meine die Versanddauer von einem Monat!), aber das Warten hat sich gelohnt: Die verträumt-mystischen Dreampop-Melodien aus leicht knarzigem Piano und Glockenspiel begleiten mich gerade überall: Beim Winterspaziergang durch die Schanze, beim langsamen Einschlafen und Aufwachen im Auto …

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Krisenmedizin: The Joy of Ex Foundation

(c) The Joy of Ex Foundation, London 2012

Ich habe keinen Zweifel daran: „Everything is a good idea at 2am“. Weg mit dem Klischee, dass sich nächtliche Ideen bei Tageslicht als langweilig, utopisch oder schon dagewesen herausstellen. Ich hielt es zu später Stunde für eine gute Idee, was über Sally von The Joy of Ex Foundation zu schreiben.

Sally Beerworth will Menschen mit Word Art zum Lächeln bringen. Erst recht jene, bei denen sich Mr Right endgültig zu Mr Very Wrong entwickelt hat. Sally ist keine Feministin, und sie hat auch nichts gegen glückliche Paare, aber sie weiß, dass viele Beziehungen mit Trauschein nicht automatisch in ein Meer immer wiederkehrender Liebe und Glückseligkeit münden. So ereilte auch sie vor ein paar Jahren die krisenhafte Scheidung.

Sally, was hat das in dir ausgelöst?
Meine Scheidung brachte mich auf die Idee, anderen Leuten zu helfen, die genau wie ich gerade eine Trennung oder ähnliche Krisen durchleiden. Ich hatte zwar einen guten Job (in der Werbebranche) und verständnisvolle Freunde, aber ich fühlte mich trotzdem sehr niedergeschlagen – das Lachen fiel mir schwer, und ich aß viel zu viel Kuchen. Um die Scheidung zu verarbeiten, schrieb ich einen Roman, über den ich schließlich meinen Humor entdeckte. Seit dem weiß ich, Humor ist der einzige Weg, einer Krise zu entrinnen. Mir gefällt auch der Glaube, dass nach einer harten Zeit immer etwas Schönes kommt.

Wie kam es dann zur Gründung von The Joy of Ex Foundation?
Ich habe mit einer kleinen Facebook-Seite angefangen, die immer größer wurde und irgendwann fingen die Leute an mich zu fragen, ob ich Ihnen die lustigen Sprüche, die ich poste, verkaufen könnte.

Was glaubst du, warum die Leute deine Zitate mögen?
Ich denke, weil sie echt sind. Ich habe mir nie einen Spruch ausgedacht, also bringen sie dich ganz natürlich zum Lachen – das übertrumpft den besten Wein.

Kannst du von deinem Label leben?
Ich habe Folgendes herausgefunden: Wenn du das tust, was du liebt, wird das Geld folgen.

Woran arbeitest du gerade?
Wir haben vor kurzem unsere beidseitig bedruckten Kissenhüllen “Mr Right/Mr Very Wrong” zum Valentinstag, und das Geschirrhandtuch „Proud to Lick Bowls“ zum Muttertag herausgebracht. Daneben schreibe ich gerade an einem Buch über die Geschichte von The Joy of Ex Foundation.

Gibt es Autoren oder Künstler, die dich richtig begeistern?
Mich fasziniert der Geist des Genies. Tracey Emin und John Lennon machen mich sprachlos – das ist ein rares Phänomen.

Worauf freust du dich, wenn du an die nächsten Tage denkst?
Mit Familie und Freunden an einem Tisch zu sitzen und zu lachen. Und auf guten Wein …

GIVEAWAY: Bei mir liegt schon Post aus London! Die liebe Sally hat mir zu meiner Überraschung ein kleines Giveaway für die “WAS für immer”-Leser geschickt. Es besteht aus einer Tragetasche, einem Geschirrhandtuch und einer Postkarte. Wer es haben möchte, schreibt einfach einen Kommentar direkt unter diesen Beitrag!


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