Kritik zur dOCUMENTA 13

Texttafeln von Ida Applebroog (Foto: Theresa Senk)

Nur alle fünf Jahre findet die 100-tägige documenta statt. Die 13. Ausgabe sollte freilich ein Highlight für mich werden. Die als “wichtigste Ausstellung zeitgenössischer Kunst” deklarierte Schau hinterlässt bei mir eigentlich genau das, was die künstlerische Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev bei den Besuchern auslösen wollte: Unsicherheit. Unsicherheit über mein Wissen. Unsicherheit über unser aller Verständnis von Kunst und der Welt, in der sie zuhause ist.  Die documenta und ich – das war also nicht Liebe, sondern Verwirrung auf den ersten Blick. Schlecht war’s auf keinen Fall, wie einzelne Arbeiten zeigen, aber schlussendlich verließ ich Kassel weder erstaunt noch großartig inspiriert, dabei hätte ich mich gerne verzaubern lassen.

Wenn etwas nicht so gelaufen ist, wie man es sich vorgestellt hat, sucht man zuerst die Schuld bei sich selbst, und siehe da, ich werde fündig! Hätte ich mich vielleicht nicht überraschen, sondern den Gedanken “Wer etwas erfahren will, muss schon etwas wissen” aufgreifen und vorab fleißig den Ausstellungskatalog studieren sollen? Hätte ich doch zwei oder drei Tage bleiben sollen, um den bewussten Verzicht auf ein durchdachtes Konzept besser nachvollziehen zu können? Habe ich mit “Zusammenbruch und Wiederaufbau” das falsche Ausstellungsmotto erwischt, weil ich mich noch nie gerne mit Krieg beschäftigt habe? Waren mir Anton Zeilingers Experimente zur Quantenphysik zu weit weg von der Kunst, weil mir der Audioguide fehlte? Waren meine Erwartungen und die Abenteuerlust zu groß? Habe ich am Ende einfach zu viel übersehen? Oder hätte ich vor der Kunstaufnahme noch etwas essen sollen?

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Ein paar Werke auf der dOCUMENTA 13

Fotos: Theresa Senk

Noch 83 Tage ist die 13. Ausgabe der dOCUMENTA geöffnet. Gerade mal einen Tag war ich im beschaulichen Kassel, um die documenta und die Ideen ihrer künstlerischen Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev kennenzulernen. Alles habe ich nicht gesehen, aber für einen kleinen Einblick in die Arbeiten der etwa 190 teilnehmenden Künstler reicht es allemal. Als sich nach den ersten Metern im Fridericianum schon Ernüchterung einstellen wollte, stieß ich auf Dutzende Kartons mit Postern zum Mitnehmen. Hier handelt es sich um kopierte Seiten aus den persönlichen Notizbüchern der US-amerikanischen Malerin und Bildhauerin Ida Applebroog. Die mit Gesellschafts- und speziell mit Künstler-Klischees gespickten Texttafeln zum Umhängen gehören ebenfalls zu ihrem Werk.

Nächster Lichtblick: Ein Teppich, der aussieht wie ein Gemälde. Der perfekt gewebte Wandteppich wurde von der in Warschau geborenen Künstlerin Goshka Macuga in Auftrag gegeben und bildet afghanische Kulturschaffende vor den Ruinen des Darul-Aman-Palastes in Kabul ab. Um ein Wechselspiel zu bewirken, hängt in Kabul ein zweiter Teppich, der eine Szenerie aus Kassel zeigt.

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