Artlife Crisis in der Motorenhalle
Veröffentlicht: 13. September 2012 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: Dresden, Kunst, Motorenhalle, Versteckte Öffentlichkeiten 4 Kommentare »
Text: Jost T., Fotos: Theresa Senk
Fünf parallel angeordnete Neonleuchten, die in ausgewählten Farben leuchten. Drumherum renovierungsbedürftige Häuserwände mit dem, was allgemein wohl als Streetart bezeichnet wird. Das muss sie sein, die Motorenhalle in Dresden. Die Vernissage hat bereits begonnen, im Halbkreis aufgestellt lauschen ca. zwanzig Leute einer Dame, wahrscheinlich die Kuratorin.
Grünes Licht für die Spinner(ei) in Leipzig
Veröffentlicht: 10. September 2012 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: Creative Cities, Kunst, Leipzig, Neo Rauch, Second Chance, Spinnerei 4 Kommentare »Leipzigs ehemalige Baumwollspinnerei bezeichnet sich selbst als “Kosmos der Kunst, der weltweit seinesgleichen sucht”. Da ich streng genommen nur einen kleinen Teil der Welt kenne, lasse ich das an dieser Stelle so stehen und komme mit 80 Jahren noch einmal drauf zurück. Ich kann mir allerdings nicht vorstellen, dass jemand das große Areal enttäuscht verlässt und gebe schon mal grünes Licht. Wer die Spinnerei von der besten Seite sehen will, besucht sie am besten ganz spontan am kommenden Wochenende zum großen Herbstrundgang der Spinnerei-Galerien. Dreimal im Jahr findet so ein Rundgang statt – ein guter Anlass, um nach Leipzig zu kommen.
Ein paar Werke auf der dOCUMENTA 13
Veröffentlicht: 25. Juni 2012 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: documenta 13, Documenta-Halle, Fridericianum, Kassel, Kunst Schreibe einen Kommentar »Noch 83 Tage ist die 13. Ausgabe der dOCUMENTA geöffnet. Gerade mal einen Tag war ich im beschaulichen Kassel, um die documenta und die Ideen ihrer künstlerischen Leiterin Carolyn Christov-Bakargiev kennenzulernen. Alles habe ich nicht gesehen, aber für einen kleinen Einblick in die Arbeiten der etwa 190 teilnehmenden Künstler reicht es allemal. Als sich nach den ersten Metern im Fridericianum schon Ernüchterung einstellen wollte, stieß ich auf Dutzende Kartons mit Postern zum Mitnehmen. Hier handelt es sich um kopierte Seiten aus den persönlichen Notizbüchern der US-amerikanischen Malerin und Bildhauerin Ida Applebroog. Die mit Gesellschafts- und speziell mit Künstler-Klischees gespickten Texttafeln zum Umhängen gehören ebenfalls zu ihrem Werk.

Nächster Lichtblick: Ein Teppich, der aussieht wie ein Gemälde. Der perfekt gewebte Wandteppich wurde von der in Warschau geborenen Künstlerin Goshka Macuga in Auftrag gegeben und bildet afghanische Kulturschaffende vor den Ruinen des Darul-Aman-Palastes in Kabul ab. Um ein Wechselspiel zu bewirken, hängt in Kabul ein zweiter Teppich, der eine Szenerie aus Kassel zeigt.
Beobachtungen eines Reisenden: strange and quiet places von Wim Wenders
Veröffentlicht: 24. April 2012 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: analoge fotografie, Kunst, Sammlung Falckenberg, Wim Wenders 1 Kommentar »
Wim Wenders: Street Corner Butte, Montana, 2003, Courtesy Wenders Images
Oh wie ich mich am Sonntag gefreut habe, mal wieder nach Harburg in die Sammlung Falckenberg zu fahren – sie hat mich noch nie enttäuscht. Bisher war ich dort allerdings nur zu den sehr geselligen Ausstellungseröffnungen. Im Fall Wim Wenders habe ich die leider, leider verpasst, weshalb ich zur Abwechslung an einer Führung durch das fünfstöckige Fabrikgebäude teilgenommen habe. Abseits von Vernissagen und Führungen bleibt die Sammlung nämlich verschlossen.
Und, was habe ich über Wim Wenders gelernt? Seine Fotografien sind Bestandsaufnahmen. Klar, sogesehen ist jedes Foto eine Bestandsaufnahme, aber nicht automatisch mit dem Anspruch, Zeitgeschichte festzuhalten, Gesellschaften mit nur einem Bild widerzuspiegeln und aus einer Szene eine Narration zu entwickeln. Um der Führung nicht ihren Reiz zu stehlen, will ich nur so viel verraten: Ob kulturell oder politisch, hinter jedem der 60 großformatigen “places, strange and quiet” steckt eine spannende Geschichte, der mit Prosa an der Wand noch ein wenig auf die Sprünge geholfen wird.
Der Zirkus ist nichts für mich, aber …
Veröffentlicht: 3. April 2012 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: Circus, Illustrationen, Kunst, Mod, Natsko Seki 5 Kommentare »
Natsko Seki: Circus – Aerial Ballet (links) und Circus – Whimsical Orchestra (rechts), 2008
… diese zwei Bilder hier von der japanischen Künstlerin Natsko Seki gefallen mir trotzdem. Ich finde sogar alle ihre Illustrationen ziemlich großartig. Natskos Ziel ist es, etwas Positives und Optimistisches mit einem guten Schuss Humor zu schaffen – kein Wunder also, dass ich auf Anhieb Fan geworden bin. Mann oder Frau kriegt mich schnell mit Humor und Optimismus.
Surrealer Bildkosmos von Gert & Uwe Tobias
Veröffentlicht: 21. Februar 2012 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: Gert & Uwe Tobias, Hamburger Kunstverein, Kunst 3 Kommentare »
Gert und Uwe Tobias: Ohne Titel, Courtesy Contemporary Fine Arts Berlin, VG Bild-Kunst Bonn 2012, (links) 2010 Farbiger Holzschnitt auf Papier, (rechts) 2011 Mischtechnik auf Papier
Am Sonntag habe ich es endlich in den Hamburger Kunstverein geschafft und mir in aller Ruhe die Arbeiten von den Zwillingsbrüdern Gert & Uwe Tobias angeschaut. Angezogen hat mich zunächst die Farbintensität der Bilder, dann die kuriosen Traumwesen aus Vögeln, Insekten, Stühlen und Keramik-Krügen – teils umrahmt von Blütenmustern, die an Jugendstil und Retro-Design erinnern. Im Nachhinein hätte ich unbedingt meine Kamera mitnehmen sollen, denn meine Lieblingsmotive fehlen in der Datenbank des Kunstvereins. Der Stil von Gert und Uwe wird trotzdem klar: surreal, farbintensiv, collage-lastig. Die Art trifft also genau meinen Geschmack, aber was wird auf den Bildern dargestellt?
Die Motive wiederholen sich stark; fast überall tauchen herabhängende oder auf dem Boden liegende Körper auf. Sie erinnern an einen Käfer, der auf dem Rücken liegt und weiß, dass er sich nicht mehr aufrichten kann. Manchmal ist da auch eine Hand, die entweder schon völlig leblos darliegt oder noch nach Rettung greift. Ein zentrales Thema ist auch das Kopf-ap-Prinzip, so rollen oder fliegen eine Unmenge an Tier- und skulpturalen Menschen-Köpfen herum. Im Bild rechts fallen zum Beispiel die Sterne zusammen mit einem Königskopf auf die Erde. Obwohl der Tod immer mitschwingt, bedrücken die Bilder nicht. Und sie wecken nie den Ekel. Das muss neben den kräftigen Farben an der Absurdität der Motive liegen: Da wird eine Stuhllehne zum Vogelkopf, eine Robbe zum Krokodil, ein Arm zum Glockenpendel.
Fazit: Um zwischendurch mal rauszukommen, sind Gert & Uwe Tobias eine fantasievolle Alternative zum Spazierengehen oder Kaffeetrinken. Während man über die Bedeutung ihrer Werke grübelt, kann man sehr gut abschalten und danach entspannt nach Hause gehen. Die Ausstellung läuft noch bis zum 18. November 2012 im Hamburger Kunstverein. Ab April wird aber ein Teil der Installation verschwinden und Platz machen für weitere Künstler.
Grüße aus Rom: Marlene Hausegger und das Resultat ihrer kaputten Tastatur
Veröffentlicht: 9. Januar 2012 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: art, Interview, Kunst, Marlene Hausegger, Wien 7 Kommentare »
“Zebra togehter with Romana Rust” von Marlene Hausegger, 2007
Mir gefällt die Kunst von Marlene Hausegger. Peinliche Hobby-Kunst sieht anders aus. Das dachte ich schon, bevor ich wusste, dass Marlene brav Beaux Arts studiert hat. Mir gefallen die Farben, der Witz und der Mut zur Dimension, denn Marlenes Kunst tobt sich aus im öffentlichen Raum und ist im Moment ihrer Existenz nicht zu übersehen. Ich habe nichts dagegen, dass die Abbildungen ihrer Arbeiten durchaus dekorativ und damit für mein Wohnzimmer geeignet sind. Manchmal nervt mich diese Art von Intellektualität, die vergisst, wie stark Humor sein kann, und die meint, Kunst sei langweilig oder gehöre in die IKEA-Abteilung, sobald sie irgendetwas Schönes an sich hat. Die Kunst hat sich nicht dazu verpflichtet, allein auf hässliche und provokante Weise dem Anspruch der überversierten Rezipienten gerecht werden, sie darf auch Spaß machen, und kann dabei trotzdem Impulse geben.
Entdeckt habe ich Marlene Hausegger über die neue art-Serie Starter. Endlich werden noch ganz junge Künstler vorgestellt! Weil ich Marlenes Arbeiten sofort etwas abgewinnen konnte, wollte ich mehr über sie wissen und stellte ein paar Fragen. Ihre Antworten flogen heute in Form von Bildern in mein Postfach – eine charmante Art zu antworten, wie ich finde. Ein bisschen Rätselraten darf ruhig sein, lassen wir die Bilder so stehen.
Marlene, wie bist du zur Kunst gekommen? Den Rest des Beitrags lesen »
Ist das Kunst oder kann das ins Klo?
Veröffentlicht: 25. November 2011 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: Chris Larson, Gerhard Richter, Klorolle, Kunst, Rice Schreibe einen Kommentar »
Foto: Videostill aus Deep North (2008) von Chris Larson und Zeitschriftenausschnitt
Der Toilettenrollenhalter und seine ständig wechselnde Partnerin (die Toilettenpapierrolle) sind mir dieses Jahr auch fernab des stillen Örtchens begegnet. Erst kam ich mit der etwas unscharfen Klorolle von Gerhard Richter in Berührung. Das simple Motiv im klassischen Malstil gefiel mir so gut, dass es schon seit ein paar Monaten als Postkarte an meiner Badezimmertür klebt. Im Sommer fiel mir ein Still aus Chris Larsons Videoarbeit “Deep North” in die Hand. Auch hier ist die Papierrolle mit von der Partie – wenn auch dezent im Hintergrund. Die völlig erstarrte Inneneinrichtung des Holzhauses symbolisiert übrigens eine neue Eiszeit, die ganz unerwartet eintraf. Das Still ist so ungewöhnlich, dass es wohl niemals in meinen Papierkorb landen wird.
Toilettengekritzel
Veröffentlicht: 7. November 2011 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: Hoxton Street, Kunst, Macbeth Schreibe einen Kommentar »Da hat sich tatsächlich jemand hingesetzt und etwas auf die Toilettentür gekritzelt, das nicht der Standard-Schmiererei entspricht. Dieser Jemand nennt sich „Knudt Tourette“, vielleicht steckt dahinter der gleichnamige Musiker. In der Sprechblase steht übrigens “When I say go, you say Lola xXx” und daneben in Großbuchstaben “All the men fancy Gafflo, they just don’t know it yet”. Was immer das zu bedeuten hat – schönes Gekritzel. Gesehen im Macbeth, Hoxton Street.
Das sind doch nicht etwa …
Veröffentlicht: 4. November 2011 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: Kunst, Louise Bourgeois, NYC, Skulptur Schreibe einen Kommentar »… skulpturale Riesenbrüste? Nicht doch, das sind Augen! Die Skulptur “Eyes” stammt von der französisch-amerikanischen Bildhauerin Louise Bourgeois (1911-2010) und steht im NYC Wagner Park. Das wusste ich natürlich nicht, als ich die zwei Kugeln ins Visier nahm. Und der Mann im Hintergrund? Vielleicht ein ausgebrannter Börsianer?
Unterirdische Farbmosaike
Veröffentlicht: 4. November 2011 Einsortiert unter: WAS für kunst, WAS? Zeig mir alles! | Tags: Denmark Street, Eduardo Paolozzi, Kunst, Mosaik, Tottenham Court Road Schreibe einen Kommentar »Manchmal frage ich mich, wer eigentlich für die Gestaltung der unterirdischen Stationen verantwortlich ist – die meisten wirken ja gerne mal triste oder irgendwie misslungen, nicht so diese hier: Die Tottenham Court Road Station nahe der Denmark Street ist meine liebste U-Bahn-Station und wurde von dem britischen (aber aus italienischem Elternhaus stammenden) Künstler Eduardo Paolozzi (1924-2005) entworfen – schön bunt!








